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DIE GESCHICHTE DER ZEHNTSCHEUER



So sah die Zehntscheuer vor der Sanierung aus.

Die Betzinger Zehntscheuer ist das markante Eckgebäude an der Mußmehlstraße und der Straße „Im Wasen“. Ihren Namen hat die Zehntscheuer von ihrer Funktion. Im Mittelalter mussten die Bauern den zehnten Teil ihrer Ernte und die Handwerker den zehnten Teil ihrer Produktion an die Herrschaft abliefern. Zur Aufbewahrung der Abgaben baute man solche Zehntscheuern, die vielfach nach der Kirche die größten Bauwerke eines Dorfes darstellten. In der Reutlinger Kreisbeschreibung wird das Betzinger Bauwerk auch „Landgarbenscheuer“ genannt, weil hier vor allem der zehnte Teil der Getreideernte in Form von Hafer-, Gersten-, Dinkel- und Weizengarben gelagert wurde.

 

Im Vorfeld der Sanierung erstellte der Bauhistoriker Tilmann Marstaller im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Tübingen eine bauhistorische Untersuchung.

Darin macht Marstaller klar, dass die 1533 errichtete Zehntscheuer des Reutlinger Spitals in der Mußmehlstraße zu den wichtigsten Baudenkmälern der Region gehört und sowohl architektur- als auch kulturgeschichtlich ein überörtlich bedeutendes Zeitzeugnis darstellt. Dies ist weniger auf ihre Größe, als vielmehr auf ihre Baugeschichte zurück zu führen.

Lange Zeit nahm man nämlich an, dass sie im 17. Jahrhundert erbaut worden sei. Mit einer dendrochronologischen Untersuchung wurde aber nachgewiesen, dass die Zehntscheuer bereits im Jahre 1533 erbaut wurde. Für diese Zeit weist sie allerdings ausgesprochen moderne Zimmermannsarbeiten auf.

 

Die größte Überraschung bot dabei die „Entdeckung“ des Dachwerkes als ein im hohen Maße ursprünglich erhaltener Bestandteil aus der Erbauungszeit. Marstaller wies auch nach, dass die Bäume für den Dachstuhl aus dem Schwarzwald stammen und auf dem Neckar wahrscheinlich bis zur Echazmündung geflößt wurden.